Bei Zwerggarnelen unterscheidet man zwischen zwei Fortpflanzungstypen, dem spezialisierten und dem primitiven.

Garnelen des spezialisierten Typs, z.B. Fire-, Crystal Red-, Bienen-, White Pearl-, oder Rückenstrichgarnelen, tragen je nach Art 20 - 50 Eier bis zu  4 Wochen lang an den Schwimmbeinen, aus denen fertig entwickelte circa 2 mm große Junggarnelen schlüpfen. Arten dieses Typs lassen sich relativ leicht nachzüchten und die Jungtiere erfreuen den Besitzer sehr bald durch einen hohen Wuselfaktor.

Red-Fire-Garnele mit zahlreichen Eiern an den Schwimmbeinen

White-Pearl-Garnele mit einigen wenigen Eiern, nachdem bereits etliche Junge geschlüpft sind

Voraussetzung für eine erfolgreiche Aufzucht der Jungtiere ist allerdings in der Regel ein Artenbecken. In Gesellschaftsbecken besteht immer die Gefahr, dass die Garnelenbabies von Fischen als willkommene Mahlzeit angesehen werden, auch wenn eine dichte Bepflanzung Schutzräume für die Kleinen bieten kann. Selbst der friedlichste Fisch wird alles fressen, was ihm ins Maul passt ungeachtet der Tatsache, dass er mit erwachsenen Garnelen harmonisch das Aquarium teilt.

Wie im Kapitel Vergesellschaftung ebenfalls angesprochen, sollte jeder auf einen sortenreinen Besatz aus einer vertrauenswürdigen Quelle achten, der Wert auf eine Aufzucht von Garnelen mit schöner Ausfärbung legt. Garnelen aus der gleichen Art werden sich immer kreuzen, egal um welche Sorte (=Farbe) es sich handelt. Dabei entstehen leider keine Mischfarben wie bei den Farben eines Malkastens.

Beispiel anhand von Neocaridina-Arten:

Es gibt sie mittlerweile in den verschiedensten Farbschlägen, z.B. Red Fire, Yellow Fire, White Pearl und viele mehr. Einige wenige haben sich in der Natur in begrenzten Gebieten ergeben, die meisten sind aber das Ergebnis von selektiertem Nachwuchs, bei dem bestimmte Farbmerkmale immer weiter herausgezüchtet wurden.

Hält man Neocaridina-Garnelen unterschiedlicher Färbung in einem Aquarium, wird man beim Nachwuchs eine herbe Enttäuschung erleben, sofern einem nicht völlig egal ist, was bei der Vermehrung heraus kommt. Falls man zufällig trächtige Garnelen erworben hat, werden diese Jungtiere noch die entsprechende artgerechte Färbung aufweisen. Bei allen anderen, deren Befruchtung in dem Becken mit unterschiedlich farbigen Tieren stattgefunden hat, wird es in der ersten Generation i.d.R. die weitgehend braune Ausfärbung der weit verbreiteten Naturform (Algen- oder Rückenstrichgarnelen) geben. In der zweiten Generation kann es wieder bunte Farbschläge geben, die aber rein zufällig und oft nicht besonders ausgeprägt sind.

Leider genügt ein einziges nicht sortenreines Tier, um den Farbschlag einer Garnelengruppe zu zerstören. Deshalb ist es ratsam, z.B. beim Arbeiten in mehreren Garnelenbecken für jedes Aquarium einen eigenen Kescher zu verwenden, um nicht versehentlich darin ein Jungtier in ein anderes Becken zu bringen, in das es nicht hinein gehört.

Anders sieht es bei Garnelen unterschiedlicher Arten aus. Z.B. Red Fire (Neocaridina Davidi) und Grüne Zwergggarnelen (Caridina babaulti) können sich nicht kreuzen und bilden einen attraktiven Beckenbesatz. Sie bleiben bei einer Vergesellschaftung artenrein.

Im Zweifelsfall ist es ratsam, sich genau zu informieren, um welche Garnelen es sich definitiv handelt, die man kaufen möchte. Auf der sicheren Seite ist man mit der lateinischen Bezeichnung der Tiere. Irgend welche Phantasienamen allein sind keine eindeutige Aussage.

Etwa eine Woche alte Junggarnele im Vordergrund neben einem ausgewachsenen Tier, das Eier trägt; die Originalgröße der erwachsenen Garnele ist ca. 2,5 cm

Beim primitiven Fortpflanzungstyp, z.B. bei Amano-, Nashorn-, oder Fächergarnelen, werden mehrere hundert Larven ins Wasser abgegeben, die sich ebenfalls in Eiern, an den Schwimmbeinen getragen, entwickeln. Sie benötigen zur Entwicklung Brack- bzw. Meerwasser und können im Süßwasser nur wenige Tage überleben. In der Natur werden sie durch die Strömung der Flüsse ins Meer gespült, wo sie das entsprechende Nahrungsangebot vorfinden und mehrere Entwicklungsstadien durchlaufen. Als fertig entwickelte  Junggarnelen wandern sie dann wieder flussaufwärts ins Süßwasser.

Amano-Garnele, bei der deutlich einige hundert winzige schwarze, an den Schwimmbeinen angeheftete Eier zu sehen sind

Eine Nachzucht ist schwierig und sehr aufwändig. Sie erfordert ein entsprechend vorbereitetes Salzwasserbecken, in das die Larven überführt werden können, ein spezielles Nahrungsangebot, sehr viel Zeit, Geduld und auch etwas Glück.

Die Larven benötigen ca. 5 Wochen bis sie ihre Entwicklung zur fertigen Junggarnele abgeschlossen haben. Diese müssen dann an Süßwasser gewöhnt und abschließend zu ihren großen Artgenossen umgesetzt werden.

Die Nachzucht von Amano Garnelen ist uns gelungen, allerdings nur in geringen Stückzahlen. Deshalb ist es bei einigen wenigen Versuchen geblieben.

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